Am 10. Februar 2026 fand von 16 – 18 Uhr der vierte Termin des Austauschformats „Coffee & Connect – NetzwerkEN am Nachmittag“ im alten Gärkeller der Schwelmer Brauerei in der Kreisstadt statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Thema „Organisationsstruktur & Tourismusarbeit im Wandel – von der klassischen Tourismusförderung hin zu einem interdisziplinären Destinationsmanagement“. Im Anschluss an die Veranstaltung ab 18 Uhr wurde bei „Cheers & Connect“ zugleich das einjährige Jubiläum des mittlerweile etablierten Formats sowie die erfolgreiche Tourismusarbeit im vergangenen Jahr im Ennepe-Ruhr-Kreis gefeiert.

Unter den rund 35 Teilnehmenden aus Tourismus, Verwaltung, Wirtschaft, Planung, Kultur und weiteren Bereichen waren auch Landrat Jan-Christoph Schaberick und Bürgermeister Stephan Langhard von der Stadt Schwelm.

Tourismusarbeit im Wandel – Impulse aus Wissenschaft und Praxis

Wie bei dem Austauschformat üblich, gab es im ersten Teil der Veranstaltung zwei Vorträge von externen Referenten:

  1. Dr. Jürgen Fischbach (Sauerland-Tourismus e.V.) eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zum Thema: „Tourismusarbeit im Wandel – Verantwortung für den Standort“.  Er machte deutlich, dass sich der Tourismus aufgrund von Herausforderungen wie Klimawandel, demografischem Wandel, rückläufigem ehrenamtlichen Engagement sowie einer Verschiebung der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit von Nachhaltigkeit hin zu einem wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit und Resilienz kontinuierlich verändert. Regionen müssten sich daher strategisch und zukunftsorientiert aufstellen und Verantwortung für ihre (touristische) Entwicklung übernehmen. Dr. Jürgen Fischbach betonte, dass Tourismusarbeit in erster Linie den Bürgerinnen und Bürgern zugutekomme und erst in zweiter Linie den Gästen. Tourismus trage maßgeblich zur Gestaltung moderner Lebensräume und zur Standortentwicklung bei. Entscheidend sei es, die Wirkung der Tourismusarbeit sichtbar und messbar zu machen, bestehende Angebote gezielt weiterzuentwickeln und Synergien zwischen Fachbereichen zu nutzen. Zukünftig gewinnt eine kompetenzorientierte Arbeitsweise zunehmend an Bedeutung, ebenso wie ein stärkeres Denken in Netzwerken. Ziel ist es, Doppelstrukturen zu vermeiden und vorhandene Ressourcen effizient zu nutzen. Dabei rückt nicht länger ausschließlich das Marketing in den Fokus, sondern vor allem ein qualitativ hochwertiges Produktmanagement. Gleichzeitig wird es wichtiger, Regionen auch digital erlebbar zu machen, beispielsweise durch den Aufbau eines digitalen Zwillings. All diese Ansätze sind Teil einer strategischen Regionalentwicklung, die darauf abzielt, Regionen nachhaltig und zukunftsorientiert zu gestalten.
  • Einen praxisnahen Einblick bot anschließend Thorsten Engels (stellv. Geschäftsführer des Touristikverbands Siegen-Wittgenstein e.V.) mit seinem Vortrag „Tourismus im Umbruch – neue Wege in der Tourismusarbeit“. Er stellte die Entwicklungen in der vergleichbaren Region Siegen-Wittgenstein vor, die jährlich rund 11,4 Millionen touristische Aufenthaltstage verzeichnet (zum Vergleich: EN-Kreis rund 13,1 Millionen).

Engels berichtete, wie der Wegfall finanzieller Mittel im Jahr 2024 den Verband dazu zwang, seine Tourismusarbeit grundlegend neu auszurichten. Dabei wurde Tourismus bewusst als verbindendes Element zwischen verschiedenen Fachbereichen verstanden. Durch eine interdisziplinäre Neustrukturierung von Aufgaben und Arbeitsprozessen konnte der Verband seine Arbeit weiterentwickeln. Zentral sei dabei eine sogenannte Relevanzstrategie gewesen, die aufzeigt, welche Auswirkungen ein Wegfall der touristischen Aufgaben auf Kommunen und Region hätte. Auch Engels stellte die Bedeutung der Bevölkerung heraus: Tourismus wirke nach außen als Einladung und nach innen als wichtiger Beitrag zur Lebensqualität.

Vom klassischen Marketing hin zu interdisziplinärem Destinationsmanagement und strategischer Steuerung

Als zentrales Zwischenfazit der Veranstaltung wurde deutlich, dass sich Tourismusarbeit zunehmend von klassischem Marketing hin zu einem strategischen und koordinierenden Destinationsmanagement entwickelt. Ziel ist es, die Region nachhaltig im Sinne eines regenerativen Tourismus zu gestalten sowie verschiedene Fachbereiche, Kommunen, den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Destination Ruhrgebiet über die Tourismusarbeit stärker zu vernetzen und gemeinsame Steuerungsprozesse zu entwickeln. Tourismus kann also als Motor der Regionalentwicklung fungieren.

Gerade für den Ennepe-Ruhr-Kreis stellt sich dabei die Frage, wie Kommunen und Kreis – bildlich gesprochen neun kommunale Zahnräder und ein kreisweites Zahnrad mit unterschiedlichen Fachbereichen wie Kultur, Planung, Wirtschaft oder Stadtmarketing – effizient zusammenarbeiten können, um das Kreisgebiet als Teil der Destination Ruhrgebiet gemeinsam touristisch weiterzuentwickeln.

Austausch und Diskussion an Thementischen

Im zweiten Teil der Veranstaltung vertieften die Teilnehmenden die Inhalte an vier Thementischen:

Tisch 1: Vom Vermarkter zum Gestalter: Was bedeutet Tourismusarbeit heute?

Tisch 2: Tourismus wirkt überall im Raum: Wie lässt sich seine verbindende Rolle sichtbar machen?

Tisch 3: Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Wie gelingt ein besserer Austausch zwischen Fachbereichen?

Tisch 4: Zukunftsfrage Regionalentwicklung: Welche Rolle sollte Tourismusarbeit künftig übernehmen – und wo liegen Chancen und Grenzen?

Die Veranstaltung war geprägt von einem offenen, lebendigen und konstruktiven Austausch – sowohl im Anschluss an die beiden Vorträge, während der Thementisch-Diskussionen als auch beim anschließenden Jubiläumsformat Cheers & Connect.

Dr. Jürgen Fischbach resümiert:

„Ich war sehr angetan vom Engagement der Teilnehmenden – das ist alles andere als selbstverständlich und spricht für ein großes Interesse an eurer Arbeit.“

Auch Thorsten Engels äußerte sich im Nachgang wie folgt zur Veranstaltung: „Tatsächlich mal ein Format, das hält, was es verspricht! Die konkreten Nachfragen im Anschluss an die Impulsvorträge sowie der intensive Austausch im Nachgang zeigen, dass man im „schönsten Kreis der Welt“ erkannt hat, dass ein funktionierendes Netzwerk eine entscheidende Basis für einen zukunftsorientierten und –fähigen Tourismus darstellt.“

Danke für das tolle Feedback!!

Dank an Mitwirkende und Teilnehmende

Ein besonderer Dank gilt dem Brauerei Schwelm e.V. für die Gastfreundschaft, die kostenlose Bereitstellung der Räumlichkeiten und Getränke sowie den Referenten Dr. Jürgen Fischbach und Thorsten Engels für ihre inspirierenden Beiträge.

Und natürlich danken wir auch allen Teilnehmenden für ihre aktive Teilnahme und den konstruktiven Austausch!


Worum geht es bei „Coffee & Connect – NetzwerkEN am Nachmittag“?

Das Format bringt Akteur*innen aus Tourismus, Verwaltung, Wirtschaft und weiteren Fachbereichen zusammen, um Themen aus dem kreisweiten Tourismuskonzept zu diskutieren, Fragen praxisnah zu klären, Ideen zu entwickeln und interdisziplinäre Kooperationen zu stärken. Viermal im Jahr, jeweils von 16:00 bis 18:00 Uhr, bietet die erste Stunde fachliche Impulse durch Expert*innen, die zweite Stunde Raum für Austausch an Thementischen.

Ziel: Wissenslücken schließen, interdisziplinäre Kooperationen stärken und gemeinsam Ideen für einen nachhaltigen, zukunftsorientierten Tourismus im Ennepe-Ruhr-Kreis entwickeln.

Die Teilnahme ist kostenfrei.